Sicherheitseinweisung
- Ernst Wimmer
- 15. Mai
- 3 Min. Lesezeit
Sicherheit an Bord: Warum die Einweisung der wichtigste Start in Ihren Törn ist

Der Check-In ist erledigt, die Sonne scheint und die Crew brennt darauf, endlich die Leinen loszuwerfen. Doch bevor der erste Segeltag wirklich beginnt, steht eine entscheidende Aufgabe an: die Sicherheitseinweisung. Was oft als lästige Pflichtübung abgetan wird, ist in Wahrheit das Fundament für einen entspannten und sicheren Urlaub.
1. Mehr als nur eine Empfehlung: Die rechtliche Lage
Als Skipper tragen Sie die volle Verantwortung für Yacht und Besatzung. Eine ordentliche Einweisung ist keine Kür, sondern Pflicht: Laut Seegerichtsurteilen handelt ein Skipper grob fahrlässig, wenn er diese unterlässt. Zudem ist sie eintragungspflichtig und muss mit den Unterschriften der Crew im Logbuch dokumentiert werden.
2. Die goldene Regel: "Eine Hand für das Schiff"
Sicherheit beginnt beim Verhalten. Der wichtigste Grundsatz lautet: „Eine Hand für das Schiff, eine Hand für das Leben“ – man muss sich stets so bewegen, dass man immer eine Hand zum Festhalten frei hat. Dazu gehört auch das richtige Schuhwerk: Rutschfeste Sohlen schützen nicht nur vor Stürzen auf nassem Deck, sondern bewahren auch die Zehen vor schmerzhaften Begegnungen mit Klampen oder Leinen. Luken zu: Während der Fahrt müssen alle Decksluken (besonders die in den Laufwegen) fest
verschlossen sein. Ein Sturz in eine offene Luke ist eine der häufigsten Verletzungsursachen.
3. Lebensretter an Bord: Westen und Signale
Jedes Crewmitglied muss seine persönliche Rettungsweste erhalten, sie testweise anlegen und auf die eigene Körpergröße einstellen.
Regel: Rettungswesten werden angelegt bei Nachtfahrt, schlechtem Wetter oder auf Anweisung des Skippers. Ein weiterer Kernpunkt ist die Pyrotechnik. Jedes Mitglied sollte wissen, wo Fallschirmraketen und Handfackeln gelagert sind und wie sie im Notfall – und wirklich nur dann – gezündet werden. Denken Sie daran: Pyrotechnik ist gefährlich; halten Sie diese beim Zünden immer in Lee (vom Wind weg), um Verletzungen und Schäden am Schiff zu vermeiden.
Rettungsring & Markierungsboje: Befinden sich am Heck. Wer einen "Mann über Bord" (MOB) sieht, schreit laut "Mann über Bord!", lässt den Verunglückten nicht aus den Augen und zeigt ständig mit dem gestreckten Arm auf die Person.
4. Technik, die man beherrschen muss
Im Ernstfall zählt jede Sekunde. Daher müssen alle wissen, wie:
Der Motor gestartet wird: Falls der Skipper ausfällt, muss jemand das Schiff manövrieren können.
Das Funkgerät funktioniert: Erklären Sie die Bedienung der Distress-Taste für einen digitalen Notruf (DSC) und das Schema für einen Mayday-Ruf.
Die Gasanlage bedient wird: Da Gas schwerer als Luft ist und sich explosiv in der Bilge sammeln kann, ist das korrekte Absperren lebenswichtig.
Gasanlage: Nach dem Kochen wird der Absperrhahn am Herd und die Gasflasche geschlossen. Riecht es nach Gas? Sofort Skipper informieren, kein Feuer, kein elektrischer Schalter!
Feuerlöscher: Ich zeige euch die Standorte (meist in den Kabinen und im Salon).
Rauchen: Nur an Deck und nur im Lee (Windschatten), damit keine Asche in die Segel oder auf Polster fliegt.
Seeventile und Lenzpumpen gelagert und bedient werden, um bei Wassereinbruch sofort reagieren zu können.
Die Bordtoilette (Das "Herz" des Friedens)
Nichts in die Toilette werfen, was nicht vorher gegessen wurde. Kein Toilettenpapier, keineHygieneartikel.
Bedienung: Skipper zeigt euch jetzt die Pumpmechanik bzw. die elektrische Spülung. Wer sie verstopft, repariert sie (oder zahlt die teure Reinigung).
Ventile: Während der Fahrt bleiben die Seeventile (falls vorhanden) geschlossen.
5. Gefahrenzonen und Manöver
Der Großbaum ist eine der häufigsten Verletzungsquellen. Ein unkontrolliertes Umschlagen (Patenthalse) kann schwere Verletzungen oder Mastbruch verursachen. Der Einsatz eines Bullenstanders wird hier zur Sicherung dringend empfohlen. Besprechen Sie zudem das Mensch-über-Bord-Manöver (MOB). Rollen wie „Ausguck“, „Rettungsmittel werfen“ und „MOB-Taste am GPS drücken“ sollten fest vergeben sein.
Winschen & Leinen: Haltet eure Finger fern von den Winschen, wenn Spannung auf der Leine ist. Achtet auf "Wurstfinger" (Leine niemals um die Hand wickeln!).
Anker: Finger weg von der Ankerkette, wenn die Winsch läuft. Verletzungsgefahr!
Eine gute Einweisung vermittelt Respekt, ohne Angst zu schüren. Besonders bei Segelneulingen ist Fingerspitzengefühl gefragt. Nutzen Sie klare Strukturen wie das FORDEC-Modell (Facts, Options, Risks, Decision, Execution, Check), um der Crew zu zeigen, wie in Stresssituationen besonnene Entscheidungen getroffen werden.
Besonderheit: Katamarane
Segeln Sie auf zwei Rümpfen? Dann weisen Sie zusätzlich auf die Refftabelle hin, da Katamarane keine Krängung (Schräglage) als Warnsignal haben. Zudem ist das Trampolin am Bug bei Fahrt kein Aufenthaltsort, und die Bedienung der zwei Motoren erfordert eine eigene Einweisung für Hafenmanöver.
Fazit: Nehmen Sie sich die Zeit. Eine gut eingewiesene Crew, in der jeder seine Aufgabe kennt, ist der beste Garant für einen unbeschwerten Törn.
Hier noch das Video zur Sicherheitseinweisung:




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